Das neue Virus "Ignoranz"?

Leben und leben lassen

… wer kennt diesen Spruch nicht?

Sie begegnet uns doch jeden Tag, mal mehr, mal weniger. 

Kein guter Ausdruck, doch allgegenwärtig, leider, was ich meine, ist die „Ignoranz“. Fast könnte man sie auch als „Virus“ bezeichnen, denn unter dem Joch der alltäglichen Anforderungen, täglichen Situationen und den freiwilligen und unvermeidlichen zwischenmenschlichen Kontakten ist sie anzutreffen, mal mehr, mal weniger.

Verglichen mit einem Stadtmenschen hat es wohl derjenige, der im ländlichen Umfeld oder im Eigenheim am Stadtrand lebt, ruhiger, und hat auf Wunsch vermutlich weit weniger zwischenmenschliche Berührungen und somit auch weniger Berührungen mit dem Thema Ignoranz.

Was meine ich eigentlich mit Ignoranz? Nun, ich meine eine gewisse, vielen wohl bekannte Rücksichtslosigkeit, ein Sich-Nicht-Mehr-Sehen, einen Mangel an Wahrnehmung und Achtsamkeit, vielleicht aber auch einen Mangel an Respekt voreinander. Ignoranz „outed“ sich, wie man erleben kann, regelmäßig in Unfreundlichkeit, Egoismus, Aggression, Kontaktfeindlichkeit und folglich immer auch auf Kosten des zwischenmenschlichen Miteinanders.

Man findet sie, natürlich, meist dort, wo sich Menschen häufen, so zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern, auf dem Weg zur Arbeit (Bushaltestelle, U-Bahn, Fußweg, Radweg, Arbeitsweg mit dem Fahrzeug oder per Bahn), beim Einkaufen usw. Es gibt unzählige Beispiele und oft läuft es nach dem Motto: Nur der stärkere überlebt.

Und woher kommt sie, die Ignoranz? Ich denke mal…

Sie ist täglich existent den Mitmenschen gegenüber und resultiert aus den verschiedensten Gründen, keine Frage. Ist es die Folge von Mangel an Respekt, schlechter Erziehung und/oder mangelnder Achtung vor dem Nächsten (Lebewesen)? Ist es eine menschliche Schwäche, nur ein unbewusstes gedankenloses Fehlverhalten ohne böse Absicht oder ist es schlicht Boshaftigkeit, Ärger, Wut oder Frustration…?

Versuchen Menschen sich – infolge der Vielfalt an Mitmenschen – nur abzuschotten, eine unsichtbare Mauer um sich zu bauen aus Angst, belästigt oder von der Fülle an Eindrücken überwältigt zu werden…?

Ignoranz ist leider verbreitet wie ein Virus, und sie begegnet mir vor allem dort, wo der Lebensstandard höher ist. Es drängt sich mir die Frage auf, ob diese Marotte nur bei uns so drastisch ist, wir Mitteleuropäer, denen es doch - vergleichsweise unseren derzeitigen Lebensstandard betreffend – überdurchschnittlich gut geht, teils sogar sehr gut. Betrachten wir andere Nationen wie das übervölkerte Indien, China, Asien und viele arabische Länder, so wäre ein Vergleich der individuellen Verhaltensweisen und gegenseitigen existenziellen Akzeptanz bestimmt nicht uninteressant. 

Vielleicht würde es uns nachdenklich stimmen, würden wir nur mehr und öfter über unseren „Tellerrand“ hinaussehen. Denn wo es das eine, die Ignoranz untereinander, gibt, gibt es auch die andere Seite, ein friedliches und einvernehmliches, respektvolles Miteinander. Dies zu erreichen kann nur gemeinsam gelingen und schön ist der Kontakt mit denen, wo es bereits gelingt.